Ich bin kein Programmierer. Tagsüber arbeite ich, abends sitze ich am Rechner oder unterwegs am Handy, und die Wahrheit ist: Die meisten Aufgaben, die mir Zeit fressen, sind nicht schwer, sondern einfach nur ständig dieselben. Genau da habe ich angefangen, fest mit einer KI zusammenzuarbeiten — nicht als Spielerei, sondern wie mit einem digitalen Kollegen, der die stumpfen Runden für mich dreht, während ich am Ende das Urteil behalte.
Zwei Dinge laufen bei mir inzwischen richtig gut, und beide haben denselben Kern: viel Suchen, viel Wiederholen, wenig Kreatives.
Das Erste ist die Jobsuche. Ich habe mir dafür ein paar Profile gebaut — Beschreibungen von Fähigkeiten, Wünschen und Rahmenbedingungen, aber bewusst anonymisiert. Keine echten Namen, keine Adresse, nichts, was eine Person eindeutig macht. Diese Profile gebe ich der KI als Suchraster, und sie dreht dann regelmäßig ihre Runde: durchkämmen, was neu ausgeschrieben ist, grob nach Passung sortieren, mir eine Vorauswahl mit kurzer Begründung hinlegen. Was mich früher einen halben Abend Wegklicken gekostet hat, ist jetzt eine Liste, die ich in zehn Minuten überfliege. Wichtig ist mir dabei ehrlich zu sein: Die KI bewirbt sich nicht und sie entscheidet nicht. Sie ist der Filter, der den Heuhaufen kleiner macht. Die Nadel finde immer noch ich. Und ja, sie sortiert auch mal etwas Passendes aus oder schwärmt für eine Stelle, die bei zweitem Blick nichts taugt — deshalb bleibt die letzte Sichtung bei mir.
Das Zweite ist heikler und deshalb interessanter: Rechts-Recherche. Ich pflege eine Sammlung zu Themen, die mich betreffen, und lasse sie regelmäßig aktualisieren, indem die KI nach neuen Gerichtsurteilen und den passenden Rechtsgrundlagen sucht und sie einordnet. Das Schöne daran ist, dass die Quellen tatsächlich frei zugänglich sind: Gesetze stehen vollständig auf gesetze-im-internet.de, und ein großer Teil der höchstrichterlichen Rechtsprechung ist über rechtsprechung-im-internet.de öffentlich abrufbar. Die KI holt sich das, fasst es in normaler Sprache zusammen und markiert, was sich gegenüber dem letzten Stand geändert hat.
Hier muss ich aber deutlich werden, sonst wäre der Artikel unehrlich. Eine KI ist keine Rechtsberatung, und sie erfindet gelegentlich Fundstellen, die es gar nicht gibt. Das ist kein theoretisches Risiko: In den USA wurden 2023 zwei Anwälte im Fall Mata v. Avianca sanktioniert, weil sie sich auf Urteile berufen hatten, die ihr KI-Werkzeug schlicht halluziniert hatte — Aktenzeichen, Zitate, alles frei erfunden. Seitdem gilt bei mir eine einfache Regel: Jede Fundstelle, die die KI nennt, klicke ich an der Originalquelle nach. Existiert das Urteil? Steht da wirklich, was behauptet wird? Erst dann wandert es in meine Sammlung. Die KI beschleunigt das Finden, aber sie darf mir das Prüfen nicht abnehmen.
Ein Wort zur Modellwahl, weil mich das oft gefragt wird. Ich habe mehrere ausprobiert. Für deutschsprachige Texte und für einfachere Zusammenfassungen finde ich Mistral aus Frankreich solide — es ist ein europäisches Modell, das ordentliches Deutsch schreibt, und für viele meiner Routine-Durchläufe reicht das gut aus. Bei langen, verschachtelten Rechtsfragen, wo mehrere Urteile gegeneinander abgewogen werden müssen, merke ich allerdings, dass die ganz großen US-Modelle in der Argumentationstiefe noch einen Schritt weiter sind. Der Preis dafür ist, dass die Daten dann über den Atlantik gehen — ein Grund mehr, warum ich vorher anonymisiere. Es gibt hier kein „bestes” Modell, sondern nur eins, das zur jeweiligen Aufgabe passt, und das wechsle ich bewusst.
Was ich aus beiden Anwendungen gelernt habe, ist im Grunde dasselbe: KI ist stark, wo es um Wiederholung und Recherche geht — also genau bei der Arbeit, die niemand gern macht und die trotzdem regelmäßig anfällt. Sie ist schwach, sobald es auf letzte Verlässlichkeit ankommt. Der Trick ist nicht, ihr blind zu vertrauen, sondern ihr die Fleißarbeit zu geben und selbst der Prüfer zu bleiben. Dass ich das alles auch mal eben vom Handy anstoßen und die Ergebnisse unterwegs durchsehen kann, ist ein echter Vorteil — aber es ist ein Plus, kein Muss; am Rechner geht dasselbe genauso.
Für mich hat sich damit die Frage verschoben. Sie lautet nicht mehr „Was kann die KI?”, sondern „Welche stumpfe, wiederkehrende Runde in meinem Alltag kann ich abgeben, ohne die Kontrolle abzugeben?” Bei der Jobsuche und der Rechts-Sammlung habe ich zwei gefunden. Ich bin sicher, es sind nicht die letzten.
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